GHOSTING, LEKTORAT UND ÜBERSETZUNG

In eigener Sache und aus vielfach gegebenem Anlass.

Da sich in letzter Zeit entsprechende Anfragen häufen und es immer unangenehm ist, negative Antworten zu schreiben, möchte ich hier einmal freundlich darauf hinweisen: Ja, ich lebe in der Hauptsache vom Übersetzen, Ghosten und Lektorieren von Texten und übernehme solche Aufträge sehr gern, sofern ich Kapazitäten habe und für die Textart kompetent bin. Ich arbeite jedoch grundsätzlich NICHT auf Tantiemenbasis, sondern ausschließlich zu einem individuell verhandelten Festpreis (Als Ausnahmen sind natürlich Tandembildungen mit Kollegen möglich). Und nein, ich kann leider auch keinen Kollegen empfehlen, da ich niemanden kenne, der  auf Tantiemenbasis Privatkunden annimmt. Das tut mir sehr leid, ich weiß selbst, dass diese Leistungen für Autoren praktisch nicht zu bezahlen sind, aber leider geht es Lektoren, Übersetzern und Ghostern nur selten anders: Für ein ungesichertes Honorar zu arbeiten, ist für die meisten von uns nichts, das wir uns im Entferntesten leisten könnten. Herzlichen Dank für Euer Verständnis.

Zum 27. Januar.

“The Holocaust is not a redemptive story. The loss is too great to gain any positive meaning out of it.”

Die zwei Sätze, gesprochen von Rob Perks, Lead Curator of Oral History in the British Library, haben mich auf der gestrigen (hervorragenden) Gedenkveranstaltung “Life in a Jar” sehr beeindruckt. Sie auszusprechen, erfordert einen Mut, der sich so selten findet, dass er mich zumindest völlig überrumpelt. Den Mut, einen Schrecken zu ertragen, dem kein Aber folgt. „Nach dem Völkermord zieht keine Karawane weiter“, hat meine kluge Kollegin Angelika Jodl dazu einmal gesagt. Ich denke, wir müssen das wissen, ehe wir wagen, die Hände nach dem Thema zu strecken. Bitternis aushalten üben, ohne süßliche Milderung. Gewiss können wir uns bemühen, einen Funken Licht zu zeigen, als den Rob Perks gestern Menschen wie Irena Sendler bezeichnete, doch wir müssen unter den letzten Punkt Ende schreiben. Nicht Aber. Nicht: Die Karawane zieht weiter.
Ich finde daran nichts Schwarzseherisches, und die gestrige Veranstaltung war keine, in der nicht gelacht, begrüßt, umarmt, geschwatzt und angestoßen wurde. Ich finde es richtig. Eine Tatsache, die anzunehmen, für mich den einzigen Weg darstellt, weiterzugehen, ohne klaffende Zacken der Unerklärlichkeit in die Historie zu schneiden. Ohne aufzuhören, auf der Hut zu sein.

GenozideMonumentYerevan1Auschwitz

Willkommen

Evapaintingvalid

Meine Figur Eva möchte ein Bildwerk schaffen, das klüger ist als sie.

Ich musste das Schreiben unterbrechen, weil mich das so begeistert hat – die Erkenntnis, dass es das ist, was ich von all meinen Büchern erwartet und nicht bekommen habe: Sie sind nicht klüger als ich, sie können mich mit dem, was sie wissen, nicht verblüffen und haben mir nichts beizubringen, denn ich habe ihnen alles beigebracht. Deshalb lese ich meine eigenen Bücher nicht. Die kenne ich ja schon. Ich denke beim Lesen keiner Zeile: „Ach ja?“

Jetzt zieh ich nachts im Halbschlaf mit einem Buch von mir durchs Haus und denke: „Komisch, was der da schreibt, muss ich mal weiterlesen. Und den Namen von der Figur – hab ich den nicht auch schon mal benutzt?“

Klüger als ich, subtiler, zärtlicher, und viel sardonischer – sie ist da!

Willkommen, Hatti, willkommen, meine Fremde.

Sevgilimhatti