Not lovely, no books und keine Adventsparty

Noch einmal, aus leider gegebenem Anlass:

Dass ein Wirtschaftsunternehmen Geld verdienen muss, ist mir durchaus klar – ich bin selbst eins und kann mir nicht leisten, meine Arbeit zu verschenken. Wenn aber mein wirtschaftliches Ziel darin besteht, meine Kunden auszunehmen, ohne ihnen bieten zu können, wofür sie bezahlen – wie lange habe ich dann wohl Kunden?

Selbstverständlich habe ich in diesem Sinne ganz und gar nichts dagegen, Werbung für mein Buch Ararat, das mir am Herzen liegt, zu bezahlen. Im Gegenteil. Leistung gehört ohne jedes Wenn und Aber bezahlt, und da ich mein Buch Ararat auch weiterhin liebend gern sinnvoll bewerben würde, bin ich sogar beständig auf der Suche nach attraktiven Angeboten. Dazu gehört für mich aber, dass a) jemand, der eine professionelle Leistung anbietet, diese auch erbringen kann (ich habe z.B. aus eigener Dummheit für eine Buch-PR-Agentur bezahlt, deren Texte von Rechtschreib- und Grammatikfehlern sowie Stilblüten und Copy-and-paste-Sprachfloskeln wimmelten. So etwas ist keine professionelle Leistung. Ich will auch kein Brot von einem Bäcker kaufen, der nichts über Lebensmittelhygiene weiß ) und dass b) jemand seine eigene Leistung und deren Wirksamkeit fair einschätzt, bewirbt und bepreist.

Das bedeutet keineswegs die Forderung nach einer Erfolgsgarantie. So etwas ist Unsinn. Ich kann als Roman-Coach auch keinem Kunden garantieren, dass er nach der Arbeit mit mir in jedem Fall an einen Verlag vermittelt wird – aber ich kann dem potentiellen Kunden vorher eine realistische, auf Erfahrung beruhende Einschätzung der Chancen geben und ihn zudem warnen, dass sich der ausgegebene Betrag möglicherweise nicht – oder noch nicht bei diesem Projekt – amortisiert. Auch auf die Gefahr hin, den Kunden dadurch zu verlieren, muss ich ihm dieses Entscheidungskriterium an die Hand geben. Ich habe auch schon potentiellen Kunden gesagt (und nicht selten): An Ihrer Stelle würde ich für ein Coaching nur bezahlen, wenn Sie es um der Freude willen tun, denn ich sehe keine Chancen auf eine gewinnbringende Veröffentlichung.

Ich bin nicht reich, aber mir trotzdem zu fein, das Geld von Menschen zu wollen, die es für eine unerfüllbare Hoffnung ausgeben und sich damit womöglich in Schwierigkeiten bringen. Eine solche Hoffnung sogar noch zu wecken, Autoren zu vermitteln, sie könnten eine derart hohe Summe für ein Werbeprojekt problemlos wieder einspielen, und dabei auch noch Leser (Stichwort ‚exklusive Geschenktipps’) für dumm zu verkaufen, ist für mich unfein. To say the least.

Ich bin sehr traurig.

Ich mochte die Plattform Lovelybooks, meine Redakteurin und vor allem die vielen Nutzer sehr gern, und ich war – glaube ich – immer noch blöd genug, an ein ‚Wir sitzen doch alle im selben Boot’ zu glauben.

Letzten Endes aber gilt (erst recht für mich als Bewohner von Großbritannien): Wenn wir im Winter des Jahres 2016 keine anderen Probleme hätten, hätten wir Grund ne Party zu feiern.

geschmueckt

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Und sie werden nicht vergessen sein

Langsam wird’s also ernst …

Diesen Blog habe ich mir vor zwei Jahren angeschafft, weil ich ein Buch schreiben wollte, das “Ararat” heisst. Weil ich mir Mut machen wollte – und weil ich in verstiegenen Anfällen von Größenwahn klammheimlich dachte: Wenn das Buch einmal da ist, kann ich den Blog benutzen, um dafür Werbung zu machen.

Jetzt sind es keine vier Wochen mehr – dann ist es da. Heisst aber “Und sie werden nicht vergessen sein”, wie meine Werbefrau und Lieblingsfigur Doris Taylor (unter ihrem Namen zu finden bei Facebook) mir nicht müde wird, ins Ohr zu blasen. Für mich wird er immer Ararat heissen, aber ihn unter diesem Namen weiter anzupreisen, wäre in etwa so effektiv wie das Bewerbungsschreiben eines Hans-Heiner Müller, der sich als Schnullibärchen vorstellt.

Well – hiermit startet dann jetzt also die Werbung:

Ararat – “Und sie werden nicht vergessen sein” – erscheint am 1. März 2016 als Knaur Taschenbuch, bringt seine bombastischen 765 Seiten mit und freut sich über Leser und Rezensenten. (Nee. Ich glaub, Ararat steht da drüber. Aber ich freu mich dafür doppelt. Und so genau weiss man das bei Ararat ja auch nicht.)

Ararat und ich diskutieren, blödeln, erzählen Stories, zeigen Fotos etc. in drei, wenn nicht vier Leserunden auf http://www.buechereule.de, http://www.lovelybooks.de und – unsere private Kreation – in einer eigenen Gruppe auf Facebook. (Über Interessenten, die sich bitte via Mail oder PN melden, freuen wir uns sehr.) Auf http://www.histo-couch.de ebenfalls, sofern sich genügend Teilnehmer finden. Für weitere Leserunden stehen wir jederzeit begeistert zur Verfügung, bitten aber um Verständnis, dass keine Freiexemplare vorhanden sind, da die Belege – bei diesem Buch mehr als bei jedem – “Writers for Mesopotamia” zur Verfügung stehen sollen.

Und ausserdem kommen wir nach Deutschland!

Wir würden uns ganz unbeschreiblich freuen, manchen von euch persönlich kennenzulernen in

Dortmund, 10. März, Buchhandlung Am Amtshaus

Berlin, 11. März, Medienpoint Tempelhof

Moers, 14. März, Barbara-Buchhandlung

Leipzig, 18. März, Auwaldstation zusammen mit drei tollen Kolleginnen – darunter Daniela Ohms mit “Winterhonig”

Berlin, 19. März, Leporello Buchhandlung, Berlin, YEAH!

Falls eine weitere Buchhandlung oder ein anderer Veranstalter an uns Interesse hat, bitten wir herzlich um Meldung – wir können nichts versprechen, würden uns aber riesig freuen und versuchen, alles möglich zu machen. Wir berechnen – ausschliesslich und einmalig für Lesungen mit diesem Buch! – kein Honorar und keine Reisekosten, bitten aber um die Erlaubnis, eine Spendenaktion zugunsten von Writers for Mesopotamia durchführen zu dürfen. Dieses ist mein besonderes Buch für alle Menschen, die Gewalt und Krieg aus ihrer Heimat treibt – alle gespendeten Gelder gehen daher direkt der Syrienhilfe e.V. zu, die vor Ort Care-Pakete in Flüchtlingscamps liefert. Im Voraus: Vielen Dank.

Ausserdem freuen würden wir uns über Besprechungen in gut frequentierten Blogs und natürlich (wovon träume ich eigentlich nachts?) in jedwedem Printmedium. Bei Interesse würden wir uns (nee – ich mich … Ararat nicht) im Verlag um ein Freiexemplar bemühen und versuchen, uns (mich) erkenntlich zu zeigen (heisst auf Deutsch Bestechung, gell? Wir wohnen in London …)

So. Das war jetzt also der Startblock der Werbung. Von jetzt an geht’s im Drei-Tages-Rhythmus (denk ich mal) weiter mit Zitate-Beschuss – oder besser: mit unserem Versuch, uns euch um den Hals zu ringeln, euch ins Ohr zu säuseln und euch zu verführen.

Ein Versuch zum Einstieg folgt nachstehend.

Vielen Dank für eure Unterstützung – in den vergangenen zwei Jahren und noch.

Charlie & Ararat

Die kniende Frau aus Gabbro war die Tote auf der Grabstele vom Berg Ararat. Aber sie war auch eine von Armans namenlosen Verwandten, durch die Wüste getrieben, bis sie auf Knien rutschte und sich nicht mehr aufrichten konnte, bis sie zum letzten Mal stürzte und liegen blieb. Ihre Hände, die detaillierter ausgearbeitet waren als das Gesicht, scharrten am Boden, in imaginärem Sand. Amarna musste nichts fragen, sie wusste, was die Frau dort tat. Sie verscharrte ihr Kind. Von den Händen sah sie noch einmal auf das Gesicht, auf den seltsam verzerrten Mundwinkel. Lachen, wo Weinen hingehörte.

„Arman, bitte komm zu mir.“

„Wenn du’s nicht magst …“

„Rede keinen Unsinn“, sagte sie, „komm einfach her, damit ich dir in den Bauch kneifen und glauben kann, dass du echt bist.“

Als sie ihn hielt, wollte sie ihn nicht kneifen. Nur seinen Nacken streicheln, den Wirbel, der spitz hervorstach, wenn er den Kopf senkte. „Musst du versprechen: Meine Frau aus Urartu verkaufst du nie in die Vereinigten Staaten.“

„Ich hab sie für dich gemacht. Wenn einer sie verkauft, dann du.“

„Ist unverkäuflich“, sagte sie. „Hast du dir wirklich nie gewünscht, dass deine Steinbilder bleiben, dass jemand sich durch sie an dich erinnert?“

Er gab ihr keine Antwort. Sie spürte bis in den Bauch, wie sein Herz schlug, und irgendwann blickte sie zu ihm auf. Seine Augen waren glasig. „Sag’s mir“, bat sie ihn.

„Dass mein Kind sich erinnert“, sagte er. „Das wünsche ich mir. Dass ich lange genug lebe, damit mein Kind weiß, wie ich es angesehen habe und wie meine Stimme seinen Namen ruft.“

Gegharddoor