Lindholms ‘The Good Nurse’ – Ich setze mich als Coach zur Ruhe …

… und zeige künftigen Kunden nur noch Tobias Lindholms neuen Film ‚The Good Nurse‘. Und mir selbst zeige ich ihn zuerst. Eine Geschichte so blitzsauber, so knapp, so messerscharf, so straff und durchdacht erzählen zu können, wünsche ich mir mein Leben lang. Lindholm hat den Zuschauer innerhalb von Minuten an der Angel, stellt augenblicklich Figuren in den Raum, die vor Leben beben (‚Leute‘, würde Hemingway sagen. ‚Nicht Figuren, sondern Leute …‘) und erschafft eine Dringlichkeit, die es unmöglich macht, den Blick auch nur einen Moment lang von der Leinwand abzuwenden. Er betritt jede Szene genau im richtigen – späten – Moment und verlässt sie den einen Sekundenbruchteil früher, als uns behagt, was einfach unwiderstehlich anzusehen ist. Habe ich vor ein paar Tagen vollmundig behauptet, ich würde mich um den perfekten Film nicht scheren? Dann nehme ich alles zurück, denn dieser ist der perfekteste Film unserer Festival-Auswahl und er ist durch und durch ein Fest. Natürlich hilft es, in Jessica Chastain und Eddie Redmayne ein Paar perfekter Schauspieler zur Verfügung zu haben und ihnen mit Nnamdi Asomugha einen Gegenspieler liefern zu können, der ihnen gewachsen ist. Aber es braucht eben einen Regisseur wie Tobias Lindholm, um aus diesen Schauspielern herauszuholen, was sie zu bieten haben.

Nein, keinen Regisseur „wie‘.

Da ist keiner „wie“.

Chapeau, Mr. Lindholm – und bis hoffentlich bald.

Anschließend sahen wir noch ‚Medusa Deluxe‘ des umwerfend sympathischen jungen Regisseurs Thomas Hardiman. Dass das nicht mein Film war, mag partiell daran liegen, dass ich zum Friseur ungefähr so gerne gehe wie zum Zahnarzt und dass ich Mühe hatte, mich zu entscheiden: Ist es eine Komödie, die nicht lustig ist, oder ein Thriller, der nicht spannend ist? Auch der one-take-shot kam mir ein bisschen vor, als hätte Thomas Hardiman sich gefragt: Welche Geschichte passt denn zu meinem Trick, nicht welcher Trick passt zu meiner Geschichte? Aber das macht alles gar nichts. Es ist ein Vergnügen, einen jungen Filmemacher zu erleben, der experimentiert, mit seinen Mitteln spielt und sich voller Selbstbewusstsein etwas traut. Was diesmal für mich nicht funktioniert hat, mag mich das nächste Mal eiskalt erwischen. Ich freu mich darauf und bin gespannt.

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