Little Waterloo – die Hundertste

Heut‘ hab ich Dir nichts zu erzählen, Ararat. Oder besser: Mir wär’s lieber, wenn ich Dir heut‘ nichts zu erzählen hätte. Wir – die Carmen, Du und ich – haben gestern Twelfthnight verloren. Der Verleger gibt eine neue Print-Ausgabe heraus (was für Twelfthnight natürlich schön ist) und will die e-book-Rechte auch haben. Ich habe kurz und wutentbrannt aufgeschrien und dann wie immer klein beigegeben, nachdem mir nahegelegt wurde, dass der Kampf darum zu riskant ist, erst recht für einen, der sein Hauptfamilieneinkommen in der Verlagsbranche erzielt. Gummi statt Rückgrat. Jetzt habe ich nacheinander den Anton, die Hatti und zu guter Letzt Twelfthnight verraten. Und Du bist allein, ohne die dicke, unerschrockene Twelfthnight als Vorhut, die Dir den Weg freirammen sollte. Keine ermutigenden Aussichten.

Schreiben ist manchmal schön. Mit Hattuša war es berauschend schön, und mit Dir ist es schön auf Zehenspitzen, mit einem Finger auf den Lippen. Veröffentlichen ist nicht schön. Für mich nicht. Ich hatte dabei vom ersten Buch an das Gefühl, frontal gegen Stopp-Schilder zu rennen: Bis hierhin und nicht weiter. Was natürlich an mir liegt, denn man könnte so ein Schild ja auch mal aus dem Weg rennen. Rückgrat statt Gummi. Ich habe morgen meinen letzten Geburtstag vor Fünfzig und fühle mich dazu gerade zu alt, zu müde und zu bringt-doch-nichts.

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